HANDELS- UND TRANSPORTSYSTEME IN GALLIEN UND GERMANIEN

während der Römischen Kaiserzeit bis 301 n. Chr.

 

Der Ausgangspunkt der Arbeit war die allgemeine Frage nach Händlern im Römischen Reich. Zeitlich begrenzt wird das Thema durch das Preisedikt Diokletians 301 n. Chr., der Untersuchungsraum ist auf die römischen Provinzen in Gallien und Germanien beschränkt.
Meine Hauptquelle stellen Inschriften dar, als weitere Quellen nutze ich u. a. antike Literatur, verschiedene archäologische Zeugnisse (beispielsweise Überreste von Lagerhäusern oder Zollstationen), bildliche Darstellungen, Schiffswracks und Amphorenfunde. Nach ersten stichprobenartigen Untersuchungen der Inschriften wurde aber deutlich, dass der Fokus auf die einzelnen Händler aufgrund des Quellenmaterials nicht ergiebig ist, weshalb ich den Schwerpunkt auf Städte bzw. Regionen lege.

Ziel der Arbeit ist es, das Handels- und Transportsystem in Gallien und Germanien während der Römischen Kaiserzeit mittels interaktiver Karten darzustellen. Zwar verfolgt das von Scheidel und Meeks entwickelte ORBIS ein ähnliches Ziel, jedoch weist dieses Programm einige Schwächen auf (beispielsweise die Nichtberücksichtigung der verschiedenen Jahreszeiten).

Eine erste Auswertung der Inschriften zeigt eine klare Konzentration in Südwestfrankreich entlang der Rhône und Saône bis zum Rhein und letztendlich zu dessen Mündung in die Nordsee. Die Schwerpunkte sind besonders die Küstengebiete Südwestfrankreichs, sowie Lyon und Mainz mit den jeweils umliegenden Regionen und Colijnsplaat. Dabei wird die Rolle Lyons als Handelszentrum des Untersuchungsgebiets deutlich, gefolgt von Narbonne; betrachtet man dies aber auf Provinzebene liegt die Narbonensis vor der Lugdunensis. Aus dem Westteil Frankreichs hingegen sind kaum Inschriften erhalten.

Den Großteil der Handelsgüter bildeten Textilien, Nahrungsmitteln und Wein. Während in den gallischen Provinzen meist Textilien und Wein die wichtigsten Güter waren, nahmen in Germania inferior diese Rolle Nahrungsmittel, insbesondere Getreide, ein. In Obergermanien ist die Warenverteilung relativ ausgeglichen, auffallend ist die hohe Anzahl von Inschriften, die keine Informationen über die Warenart geben, anzunehmen ist auch hier ein Übergewicht von Nahrungsmitteln. Zudem werden die Handelszentren der verschiedenen Provinzen deutlich: Bordeaux (Aquitania), Trier und Metz (Belgica), Narbonne (Narbonensis), Lyon (Lugdunensis), Köln (Germania inferior) und Mainz (Germania superior). Die genaue Rolle Colijnsplaats für diese Arbeit, das sowohl Trier als auch Mainz bezüglich der Anzahl der relevanten Inschriften weit überragt, wird noch geklärt werden.

Aus diesen Beobachtungen heraus lassen sich, neben dem Hauptforschungsziel, weitere Forschungsfragen stellen, wie etwa nach dem Ost-West-Handel und der Nutzung von Seine und Loire als Handels- oder Transportweg. So ist die Nutzung der Seine vermutlich nur einmal belegt, die der Loire dreimal. In diesem Zusammenhang ist auch die Frage nach der Rolle und Bedeutung der Straßen für den Handel und Transport von Interesse.

Zur Beantwortung dieser Fragen und Realisierung der Handelskarte Galliens und Germaniens werde ich u. a. auch Netzwerkanalyse und GIS-Software nutzen, wobei ersteres aber nur als Hilfsmittel dienen und keinesfalls den Schwerpunkt der Arbeit bilden soll. Allerdings werde ich die Netzwerkanalyse nicht zur Untersuchung von Beziehungen verschiedener Personen untereinander einsetzen, sondern zur Erforschung von Verbindungen von Regionen oder Städten miteinander und damit zur Entdeckung und Bestätigung möglicher Routen.

Im Rahmen der Digital Training Unit „Digital History and Hermeneutics“ möchte ich mich auch mit den eingesetzten sog. Digital Tools kritisch auseinanderzusetzen und hinterfragen, inwiefern diese nicht nur für meine Arbeit, sondern auch für die Entwicklung neuer Fragestellungen oder Herangehensweisen sinnvoll sind.

Bildquelle: Tim Rogers, Amphoren aus Bodrum. Keine Veränderungen vorgenommen. CC BY-SA 3.0 https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft_im_R%C3%B6mischen_Reich#/media/File:Amphorae.jpg

Since 2017

Doctoral candidate:
Jan Lotz

Supervisor:
Andrea Binsfeld

CET Members:
Michael Uhrmacher
Christoph Schäfer

Funding:
FNR
PRIDE